English
 

Über KOOFRA e.V.

Die Koordinierungsstelle gegen Frauenhandel, kurz KOOFRA, arbeitet seit Anfang 1999. Wir sind ein unabhängiger eingetragener Verein, als mildtätig und gemeinnützig anerkannt, und werden zum größten Teil durch die Freie und Hansestadt Hamburg finanziert. Unser Ziel ist es, von Frauenhandel betroffene Frauen und Mädchen zu unterstützen, zu stabilisieren und über ihre Rechte zu informieren.

Wir begleiten unsere Klientinnen von der akuten Notsituation zum Zeitpunkt des Erstkontakts bis zu der Phase am Ende der Betreuung, in der sie Pläne für die Zukunft schmieden und beginnen, diese umzusetzen. Wie diese Zukunftspläne aussehen, können Sie anhand unseres Posterprojekts sehen, das wir mit unseren Klientinnen gemeinsam realisiert haben.

Was ist Frauen- /Menschenhandel?

Frauen-/Menschenhandel ist eine massive Menschenrechtsverletzung und hat viele Gesichter. Dem „Protokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels“ der Vereinten Nationen vom Dezember 2000 zufolge

a)

bezeichnet der Ausdruck „Menschenhandel“ die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder den Empfang von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung. Ausbeutung umfasst mindestens die Ausnutzung der Prostitution anderer oder andere Formen sexueller Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit, Sklaverei oder sklavereiähnliche Praktiken, Leibeigenschaft (...);

b)

ist die Einwilligung eines Opfers des Menschenhandels in die (...) beabsichtigte Ausbeutung unerheblich (...); (...)

KOOFRA wurde im März 1999 gegründet, um den in Deutschland und speziell in Hamburg von Frauenhandel betroffenen Frauen und Mädchen zu helfen. Wir sind ein unabhängiges und nichtstaatliches Projekt.


Wie gelangen die Frauen und Mädchen nach Hamburg?

Auch heute noch existiert ein deutliches Wohlstandsgefälle zwischen den wohlhabenderen Industriestaaten und den sogenannten Schwellen- oder Entwicklungsländern. Frauen und Mädchen in diesen Ländern stehen vor erheblichen Problemen:

 

Es wird immer schwieriger, für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Plötzliche finanzielle Mehrbelastungen werden zu

 
   

unüberwindbaren Hindernisse.

 
 

Junge Frauen müssen früh zum Unterhalt der Familie beitragen, sehen sich aber hohen Arbeitslosenzahlen und fehlenden

 
   

beruflichen Perspektiven gegenüber.

 


Vor diesem Hintergrund entscheiden sich viele Frauen und Mädchen zur Migration. Sie wollen der Armut in ihren Herkunftsländern zumindest eine Zeit lang entfliehen und Geld verdienen, um ihre Familie zu Hause abzusichern oder sich eine Zukunft aufzubauen.

Vermittlerinnen und Vermittler treten gezielt an solche Frauen und Mädchen heran. Sie versprechen gut bezahlte Arbeit in den unterschiedlichsten Branchen – als Au-Pair, Haushaltshilfe, in der Gastronomie oder in der Prostitution – oder stellen sich als Ehevermittlung vor. Dann beanspruchen sie eine Vermittlungs- und Bearbeitungsgebühr, und der für den Frauenhandel typische Schuldenkreislauf beginnt.

 

Fehlende legale Migrationsmöglichkeiten und Unwissenheit begünstigen Frauenhandel

In den letzten Jahren kam die Mehrzahl der von Frauenhandel betroffenen Frauen und Mädchen aus Mittel- und Osteuropa, so dass
diese Gruppe für KOOFRA den Arbeitsschwerpunkt bildet. Wir beraten und betreuen aber auch immer wieder Klientinnen aus allen anderen Teilen der Welt.

 

Was erwartet die Frauen und Mädchen in Deutschland?

Von Frauenhandel betroffene Frauen und Mädchen finden sich in Deutschland mit einer Vielzahl an Problemen und Ängsten
konfrontiert, die es ihnen oft unmöglich erscheinen lassen, sich aus der Situation zu lösen:

 

Sie haben einen illegalisierten Status

 
 

Sie sprechen wenig oder kein Deutsch und können zum Teil die lateinische Schrift nicht lesen

 
 

Sie sind in ihrer Umgebung orientierungslos, kennen häufig nicht einmal den Ortsnamen

 
 

Ihre Papiere sind häufig unter Verschluss

 
 

Sie haben keinen eigenen Besitz, oft lediglich die Kleidung, die sie tragen

 
 

Sie sind nicht über ihre Rechte informiert und werden systematisch durch Fehlinformationen eingeschüchtert

 
 

Sie fürchten Vergeltungsakte gegen sich und ihre Familien im Heimatland, falls sie flüchten oder aussagen

 
 

Sie sind oft zweifach verschuldet, weil sie Geld für Vermittlungsgebühren geliehen haben, welches sie zusätzlich den

 
 

Händlerinnen und Händlern schulden

 

Sie können ihren Familien aus Scham und Angst nicht erzählen, was ihnen in Deutschland passiert ist

 
 

Sie erleben traumatisierende Situationen

 
 

Sie wissen nicht, wo und welche Hilfe sie bekommen können

 
 

Sie haben keine Mittel, um nach Hause zu reisen

 
 

Wie hilft KOOFRA?

Wir haben unser Konzept darauf zugeschnitten, betroffene Frauen und Mädchen ihren Bedürfnissen entsprechend sowohl praktisch
als auch psychosozial zu unterstützen. Unsere wichtigsten Angebote beinhalten:

 

Die Unterbringung an einem sicheren Ort

 
 

Die psychosoziale, aufsuchende Betreuung durch muttersprachliche Betreuerinnen

 
 

Die grundlegende Sicherung des Lebensunterhalts

 
 

Die medizinische Versorgung durch spezialisierte Ärztinnen und Ärzte

 
 

Die Begleitung zu Ämtern und Behörden (Ausländerbehörde, Sozialamt, Polizei, etc.)

 
 

Die rechtliche Beratung durch qualifizierte Fachkräfte

 
 

Die Vermittlung von therapeutischen Gesprächen

 
 

Die notwendigen Vorbereitungen für die Rückkehr, möglichst mit Kontaktadressen in den Heimatländern

 
 

Prozessbegleitung

 
 

Was leistet KOOFRA außerdem?

Ebenso wichtig wie die praktische Betreuung sind für uns Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit, um langfristig Verbesserungen zu
erreichen. Frauen und Mädchen, die Rechte haben und um diese wissen, sind besser vor Ausbeutung geschützt! Wir sehen unsere Aufgabe deshalb zusätzlich in den folgenden Bereichen:

 

Vernetzung mit anderen Organisationen auf nationaler und auf internationaler Ebene

 
 

Teilnahme an themenspezifischen Arbeitskreisen

 
 

Besuch und Organisation von Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen

 
 

Verhandlungen und Kooperation mit Behörden und Ämtern

 
 

Fundraising

 
 
© 2007 copyright KOOFRA e.V.